Michael und Annette haben sich mit dem Ford Econoline Rockwood ihren amerikanischen Traum erfüllt. Wir werfen einen Blick in ein Motorhome, das so gut wie ausgestorben ist.

Wenn man über die Treppe ins Innere steigt, fühlt es sich an, als reise man in eine Sitcom aus den 1970er-Jahren. Schränke aus Eiche Rustikal, Bänke mit beigem Plüschbezug, dahinter eine Küche mit vier Herdplatten und einer großen Kühlgefrierkombination. Über dem Cockpit schwebt ein Alkoven mit Doppelfenster, im Heck hat neben dem Gästebett für zwei Personen noch ein Bad mit kleiner Badewanne Platz. Nein, wir schwärmen hier nicht von einem Vario-Mobil. Welcome to the US. Wir befinden uns in einem 1990er Ford Econoline Rockwood.

Michael und Annette vor ihrem Ford Econoline Rockwood.

Michael und Annette haben sich ihren amerikanischen Traum erfüllt. Das Paar suchte lange nach dem perfekten Motorhome. Im Sommer 2014 war es dann soweit. Für knapp 16.000 Euro kauften sie ein Dickschiff, in dessen Bug ein 7.5 Liter V8 mit 230 PS stampft, der die 5,4 Tonnen mühelos fortbewegt – mit gut 30 Litern LPG auf 100 km.

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Noch im gleichen Jahr zogen die beiden auf Erkundungstour durch Deutschland los, gullerten auf die Schwäbische Alb, durch den Schwarzwald und über die Deutsche Alpenstraße. „Die Deutsche Alpenstraße ist gerade mit so einem Auto wunderschön zu fahren“, sagt Michael und schmunzelt. Auf die Frage nach einem zusätzlichen Ölkühler winkt er ab. „Thermische Probleme hat der nicht“, versichert er. Wie auch, der Motor dreht meist nicht höher als 2000 U/min.

Im Ford Econoline Rockwood thront man auf Plüschsesseln.

30 Jahre lang war Michael als Mechanikermeister bei Ford angestellt. Dann ging das Autohaus pleite. Heute arbeitet er in einer gemeinnützigen Organisation und hilft Langzeitarbeitslosen zurück auf den Arbeitsmarkt. Sein Reisemobil könnte er also selbst reparieren, doch das reizt ihn nicht. „Ich leg´ mich nicht mehr unter die Karre und schraub´ da rum“, brummt er. Die Zeiten sind vorbei. Ohne Grube ist so ein Dampfer auch kaum instand zu halten.

Amerikanisches Wohnmobil – oder keins

Michael und Annette wollten immer ein amerikanisches Wohnmobil. „Du siehst die Landschaft an dir vorbeiziehen, fühlst dich gut aufgehoben in dem großen Wagen. Zeit spielt keine Rolle. Der Ami verführt niemals zum Hetzen“, schwärmt Michael. Annette nickt. Die gelernte Krankenschwester arbeitet im Palliativbereich. Sie hilft, Sterbenden die letzten Tage so schön wie möglich zu gestalten. Ein Beruf, der sie erfüllt. Dennoch braucht sie ihre Rückzugsmöglichkeit. Die Reisen mit dem Rockwood sind die perfekte Auszeit. Eine Zeitreise, die die Gegenwart ausblendet.

Küche mit vier Herdplatten, Bad mit Badewanne - im Rockwood ist viel Platz.

Kommendes Jahr wollen die beiden durch Slowenien brummen. Dann ist das Dickschiff on the road again. Denn die Frage lautete nie ‚Wohnmobil – ja oder nein‘, sondern ‚Amerikanisches Motorhome oder keins‘!

Das Motorhome vom Ford auf Basis des Econoline ist stolze 7,56 lang und wiegt 5350 kg.

Eure Katze

Dieser Artikel ist in leicht gekürzter Fassung in der AUTO BILD REISEMOBIL, Ausgabe 05/2016, erschienen.


Text und Bilder: Margret Meincken
Selbstporträt der beiden Protagonisten: Michael Kräutle

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Katze

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Gründerin und Autorin von V8-Kultur. Begeistert von altem Blech und legendären Verbrennungsmotoren, lebt und arbeitet als freie Journalistin und Redakteurin in München, schreibt unter anderem für die Magazine Auto Bild Reisemobil und Auto Bild Klassik.
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