Ein Youngtimer ist laut Definition ein Kraftfahrzeug, das die 20 Jahre bereits überschritten hat, aber noch nicht die ehrwürdigen 30 Jahre eines Oldtimers auf dem Buckel hat. Umgangssprachlich bezeichnen wir auch gerne ein Fahrzeug mit einem Alter von beispielsweise 18 Jahren als Youngtimer, wenn es besonders gut erhalten oder heute schon ein Klassiker ist. Die PKW, die von 1980 bis 1990 gebaut wurden, sind bei uns Youngtimer-Fans besonders beliebt, da sie überwiegend moderne Technik, einige wichtige Sicherheitsstandards und nicht selten eine mit Neuwagen vergleichbare Ausstattung bieten. Besonders gesucht sind hierbei Sportwagen oder Oberklasse-Limousinen aus den späten 80ern, die als Neuwagen unbezahlbar waren und heute erschwinglich sind. Mit etwas Liebe und Geschick lassen sie sich am Leben erhalten und können ohne Weiteres als Gebrauchsfahrzeug eingesetzt werden – was ihnen allerdings auch zum Verhängnis werden kann.

Mein Audi V8 ist 18 Jahre alt, in einem äußerst gepflegten Zustand, allein der niedrigen Stückzahl wegen schon jetzt ein Klassiker und in meinen Augen ein echter Youngtimer. Klingt alles wunderbar, wenn da nicht ein Haken an der Sache wäre: das Alter. Ein Youngtimer ist zu alt, um mit dem Zustand eines Neuwagen oder eines jungen Gebrauchten Schritt zu halten. Auf der anderen Seite ist er noch zu jung, um der Liga der altehrwürdigen, respektablen Oldtimer anzugehören. Für die meisten Menschen ist er nichts anderes als eine alte Karre oder einfach nur ein Haufen Blech. Andere Verkehrsteilnehmer fragen sich nicht, ob dieses vor oder neben ihnen parkende Fahrzeug ein seltenes Exemplar oder ein Klassiker ist, oder ob es einem Liebhaber gehört, der es voller Hingabe pflegt. Sie verschwenden nicht eine Sekunde an den Gedanken, wie viel Schweiß, Blut und Geld in einem gut erhaltenen Youngtimer wohl stecken mag. Statt dessen behandeln sie den Jungspund unter den Oldies mit dem größtmöglichen Maß an Respektlosigkeit. Sie parken Einkaufstüten auf seinem markanten Stufenheck ab, um diese anschließend umständlich in das Kofferräumchen ihres Toyota IQ zu bugsieren, quetschen ihren großvolumigen, mit Nieten und Strasssteinchen besetzten Jeanspo durch die Lücke zwischen zwei Autos, für deren Breite ihnen jegliches Augenmaß zu fehlen scheint, und ziehen lange Scharten in den aufpolierten Lack, oder stellen Bierkisten auf der Motorhaube ab und hinterlassen Beulen und Kratzer in Kotflügel und Haube.

Selbstverständlich hat der Verursacher keinen Zettel hinterlassen. Wozu auch. Is´ doch nur ´ne alte Karre, oder?

Habt Ihr schon ähnliche Erfahrungen gemacht?
Ich bin gespannt auf Eure Kommentare.

Katze

Gründerin und Autorin von V8-Kultur. Begeistert von altem Blech und legendären Verbrennungsmotoren, lebt und arbeitet als freie Journalistin und Redakteurin in München, schreibt unter anderem für die Magazine Auto Bild Reisemobil und Auto Bild Klassik.
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