Alte Autos sind wie alte Menschen. Mal zwickt ein Zipperlein, mal rasselt die Lunge oder krachen die Gelenke. Für den Verfall des menschlichen Körpers gibt es Medikamente. Für alte Autos auch. Ich zeige Euch heute, was als Grundstock in die kleine Hausapotheke für einen Youngtimer gehört.
Was Klassiker wirklich brauchen: die wichtigsten Mittel für Deinen Youngtimer

Was Klassiker wirklich brauchen: die wichtigsten Mittel für Deinen Youngtimer

WD-40

WD 40 ist die Allzweckwaffe

WD 40 ist die Allzweckwaffe

Das Allheilmittel unter den vielen bunten Sprühdosen ist WD-40. 1953 erfindet Norm Lasen, Mitarbeiter der Rocket Chemical Company, einen Feuchtigkeitsverdränger. Er tüftelt so lange daran herum, bis er schließlich mit der 40. Formel zufrieden ist. Weil ihm kein besserer Name für sein kleines Wundermittel einfällt, nennt er es „WD-40“, was so viel heißt wie „water displacement“, vierzigste Formel. Ursprünglich wurde WD-40 für die Raumfahrt entwickelt und als Korrosionsschutz an der Trägerrakete Atlas eingesetzt. Die genauen Bestandteile sind bis heute streng geheim. Nur zwei Personen kennen die Rezeptur, die sicher verschlossen in einem Safe der Unternehmenszentrale liegt. Doch so viel sei verraten: WD-40 enthält keine Silikone, kein PTFE und ist gesundheitlich unbedenklich. WD-40 ist das Aspirin der Youngtimer-Apotheke und hilft quasi gegen alles: Es ist Rostlöser, Schmiermittel, Kontaktspray, Reiniger und Korrosionsschutz in einem.

Was bringt es wirklich?
WD-40 ist die Allzweckwaffe unter den Sprühmittelchen. Ob feste Schrauben, Alterserscheinungen oder öliger Schmutz. Es hilft.

PTFE- oder auch Teflon-Öl

Teflon-Öl ist hitzebeständig und lange haltbar

Teflon-Öl ist hitzebeständig und schützt dauerhaft

PTFE heißt eigentlich Polytetrafluorethylen und ist auch als Teflon bekannt. 1938 erfindet Roy Plunkett das Ethylen, 1943 wird es von dem US-Konzern DuPont als Korrosionsschutz bei der Urananreicherung verwendet. Das synthetische Schmiermittel wird nicht von Lösungsmitteln angegriffen, zeigt keinerlei Veränderung im Kontakt mit anderen Chemikalien, verwittert nicht und ist bis +260 Grad Celsius dauerwärmebeständig. Der als „weißes Fett“ bezeichnete Trockenschmierstoff eignet sich besonders für Stellen, die Hitze ausgesetzt oder gut sichtbar sind. PTFE-Öl schmiert Türscharniere, Schiebedächer, Schlösser und Fensterführungen. Außerdem kann es als Korrosionsschutz und Wasserverdränger dort aufgebracht werden, wo Rost wirklich nichts verloren hat.

Was bringt es wirklich?
Für mein Empfinden schmiert und schützt PTFE deutlich besser als WD-40. Es kann sehr fein aufgesprüht werden und dichtet auch unebene Flächen oder komplizierte Stellen ab. Zuletzt habe ich mein Leerlaufregelventil damit behandelt – und das funktioniert seitdem tadellos.

Hydrostößel-Additiv von Liqui Moly

Das Additiv von Liqui Moly verhindert das Hydro-Klackern

Das Additiv von Liqui Moly verhindert das Klackern der Hydrostößel

Im Alter rasselt die Lunge. Nicht nur bei Rauchern, sondern auch bei betagten Motoren. Abgesehen davon, dass es peinlich ist, wenn ein dicker 4.2-Liter-V8 klackert, als wären die letzten Zähne lose, schwebt der Motoren-Exitus wie ein Damoklesschwert über mir. Aber was passiert da eigentlich? Die Hydrostößel gleichen das Ventilspiel automatisch aus. Das Motoröl fungiert in diesem Fall als Hydraulikflüssigkeit. Nach längerem Stehen klappern die Hydros häufig, weil sie vereinfacht gesagt „leergelaufen“ sind. Bei Motoren mit hydraulischen Stößeln ist generell wichtig, dass Spezifikation und Wechselintervalle des Motoröls genau eingehalten werden, da ansonsten Störungen in der Ventilsteuerung auftreten können. Das heißt: das falsche Öl oder zu dünnes Öl kann das unschöne Klappern verursachen.

Um das Klackern kurzfristig zu stillen, empfehle ich das Hydrostößel-Additiv von Liqui Moly. Allerdings ist der Hustenstiller keine Dauerlösung. Mittelfristig muss ein Ölwechsel mit dem richtigen Öl durchgeführt werden. Ändert sich auch danach nichts, sind auf lange Sicht die Hydrostößel fällig.

Was bringt es wirklich?
Kurz nach der Verwendung des Additivs war für etwa 4-5 Wochen Ruhe. Bis heute klackert es hin und wieder mal, aber deutlich unaufdringlicher als vor Kur.

LecWec

Bei leichten Inkontinenzen hilft LecWec

Bei leichten Inkontinenzen hilft LecWec

Wenn der Bolide es untenrum nicht mehr halten kann, muss er nicht gleich ins Pflegeheim. Zunächst sollte man den Versuch unternehmen, die inkontinenten Stellen mit LecWec abzudichten. 1995 wurde LecWec auf der IAA in Frankfurt vorgestellt, heute ist es das Granufink der alten Bleche. Es reichen bereits 3 % der Gesamtölmenge, die ins Aggregat hineingegeben werden, um poröse Dichtungen wiederzubeleben. Bestimmte Weichmacher imprägnieren die Dichtungen und lassen sie um ca. 3 % anschwellen. Nach 100-200 km soll sich die Wirkung zeigen, der Ölverlust merklich zurückgehen. Tut er dies nicht, kann man noch mal einen kräftigen Schluck nachkippen.

Was bringt es wirklich?
Wie ihr auf dem Bild sehen könnt, hat der Audi V8 schon eine mittelschwere Blasenschwäche. Seit der LecWec-Anwendung ist er untenrum immer noch ein wenig feucht, verliert aber oben laut Messstab kein Öl mehr. Ich muss da mal mit Bremsenreiniger dran und die Lage beobachten. Bislang scheint er es halten zu können. Wenn er unten trocken bleibt, gehen beide Daumen hoch.

Natürlich lässt sich die Liste der Hausmittelchen beliebig weiterführen. Doch zu diesen vier Dosen greift man als gewissenhafter Youngtimer-Fahrer lieber einmal zu viel als zu wenig. Und ganz ehrlich: Was für Raumfahrt und Atom-Energie entwickelt wurde, ist für unsere soliden Klassiker doch gerade gut genug, oder?

Katze

Katze

Gründerin und Chefredakteurin von V8-Kultur. Begeistert von altem Blech und legendären Verbrennungsmotoren, mit feinem Humor und leichter Melancholie. Lebt und arbeitet als freie Journalistin und Redakteurin in München und schreibt unter anderem für die Magazine Auto Bild Reisemobil und Auto Bild Klassik.
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