Der typische Oldtimerfahrer fährt Mercedes, verdient üppig und gibt jährlich über 6.000 EUR für die Instandhaltung aus. Der typische Oldtimerfahrer schraubt nicht selbst, sondern sammelt – und fährt gelegentlich. Dieser zahlungskräftige Oldtimerfahrer wird für eine ganze Branche zunehmend interessant. Der Enthusiast hingegen, der gerne selber schraubt und auf Märkten gebrauchte Ersatzteile zusammensucht, stirbt aus. Das belegen die nachfolgenden Zahlen und Fakten, erhoben vom Verband der Automobilindustrie (VDA) und DEUVET.

Oldtimer in der Gesellschaft

Was fasziniert Menschen an Oldtimern? Die meisten Oldtimerfahrer beantworten diese Frage mit der Individualität und dem klassischen Design ihres Fahrzeugs. Viele schwelgen in der Vergangenheit. Ihre alten Schätzchen erinnern sie an ihre Kindheit. Gut ein Fünftel von ihnen glaubt, dass ein Oldtimer eine gute Wertanlage sei. Glücklicherweise stößt der Oldtimerfahrer mit seiner Liebe in der Gesellschaft weitgehend auf Akzeptanz: Über die Hälfte der Deutschen freut sich, wenn sie einen Oldtimer sieht. Die Mehrheit hält Oldtimer für Kulturgut, das erhalten bleiben muss. Doch immerhin 11 % fühlen sich von alten Autos gestört und beschweren sich über Lärm und Abgase. Drei Prozent geben an, sich häufig über Oldtimer zu ärgern.

Was Oldtimerfahrer fasziniert

  • Individualität 77%
  • Fahrspaß 74%
  • Klassisches Design 67%
  • Erinnerungen an früher 57%
  • Spaß am Schrauben 55%
  • Gute Geldanlage 21%

Zulassungszahlen

Der Bestand an Oldtimern, also PKW mit H-Kennzeichen, wächst kontinuierlich. 2013 waren gut 280.000 Oldtimer zugelassen, 2014 waren es schon über 310.000. Doch auch der Anteil an Youngtimern wird größer. 2014 waren fast 7,3 Millionen Fahrzeuge, die älter als 15 Jahre sind, auf deutschen Straßen unterwegs. Generell werden Autos heute länger gefahren. 2005 betrug das Durchschnittsalter eines PKW noch 8,0 Jahre. 2014 waren es bereits 9,0 Jahre.

Der VDA ist der Meinung, dass Fahrzeuge ab dem Baujahr 1992 kein H-Kennzeichen mehr benötigten, da bereits ein geregelter Katalysator verbaut sei und damit die KFZ-Steuer bezahlbar wäre. Einzig ein großer Hubraum oder die fehlende Umweltplakette könnten Gründe für ein H-Kennzeichen sein.

Bestand mit H-Kennzeichen

  • 2014: 310.694
  • 2013: 279.250
  • 2012: 254.053
  • 2011: 231.064
  • 2010: 208.319

Bestand älter als 15 Jahre

  • 2014: 7.395.289
  • 2013: 6.712.964
  • 2012: 6.177.606
  • 2011: 5.662.258
  • 2010: 5.103.176

Die beliebtesten Oldtimer

Die meisten in Deutschland zugelassenen Oldtimer stammen auch aus Deutschland, gefolgt von Fahrzeugen aus dem Vereinigten Königreich und den USA. Allerdings ist die Zahl der Oldtimer aus Großbritannien rückläufig, während die Zahl der aus den USA stammenden Fahrzeuge wächst. Besonders Muscle Cars aus den 1960ern und 1970ern werden immer beliebter. Mercedes Benz ist mit Abstand die beliebteste deutsche Automarke. Auf Platz 2 und 3 liegen Volkswagen und Porsche. Aber auch Opel und BMW holen auf.

Der beliebteste Oldtimer ist der VW Käfer. Zum 01.01.2015 waren 30.676 Käfer mit H-Kennzeichen zugelassen. Auf den Käfer folgen zwei Modelle aus dem Hause Mercedes Benz: der Mercedes W 123 (15.523 H-Kennzeichen) sowie der Mercedes SL R 107 (10.296 H-Kennzeichen). Bemerkenswert sind die Zahlen vom VW Golf: Zum 01.01.2015 waren 3.344 Fahrzeuge mit H-Kennzeichen zugelassen, und damit 50 % mehr als im Jahr 2014.

 

Der VW Käfer ist der beliebteste Oldtimer in Deutschland. Die Oldtimerfahrer, die noch selbst schrauben, nehmen hingegen ab.

Der VW Käfer ist der beliebteste Oldtimer in Deutschland. Die H-Zulassungen steigen. Die Oldtimerfahrer, die noch selbst schrauben, nehmen hingegen ab.

Bestand der PKW mit H-Kennzeichen nach Herstellungsland

  • Deutsche Hersteller
  • Britische Hersteller
  • US-Amerikanische Hersteller
  • Italienische Hersteller
  • Französische Hersteller

Wer ist der typische Oldtimerfahrer?

Der typische Oldtimerfahrer hat ein Jahresgehalt von mehr als 70.000 EUR und gibt im Jahr durchschnittlich 6.500 EUR für seinen Oldtimer aus. Und der Markt boomt: 86 % der in der Oldtimerbranche tätigen Unternehmen rechnen mit einer Umsatzsteigerung im kommenden Jahr. Während der Anteil an Schraubern abnimmt, steigt die Zahl der Sammler. Dennoch beklagen die Oldtimerverbände, dass ihnen der Nachwuchs fehle. Sie vermuten, dass den jungen Menschen das Interesse an Technik und deutscher Ingenieurskunst fehle.

Vielleicht fehlt es aber auch am nötigen Kleingeld. Oldtimer kosten ein kleines Vermögen. Bei vielen Herstellern ist die Ersatzteilversorgung nach wie vor unzureichend. Und die vorhandenen Ersatzteile sind oftmals sehr teuer. Die Branche ist längst in Goldgräberstimmung. Und hat die Sammler im Visier. Nicht die Schrauber.

Und was denkt Ihr?

Was fasziniert Euch an Eurem Youngtimer oder Oldtimer?
Seid Ihr eher Sammler oder Schrauber?

Was glaubt Ihr, wie sich die Szene in den kommenden Jahren verändern wird?

"

Schreibt Eure Meinung gleich unten in die Kommentare.

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Katze

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Gründerin und Autorin von V8-Kultur. Begeistert von altem Blech und legendären Verbrennungsmotoren, lebt und arbeitet als freie Journalistin und Redakteurin in München, schreibt unter anderem für die Magazine Auto Bild Reisemobil und Auto Bild Klassik.
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