„Gib Gas, Mann,“ ruft Evelyn und beschleunigt ihren Opel Ascona GT. Wir brausen durch eine Talsenke. Ein typischer Januar im Hochschwarzwald. 21 cm Schnee, Minus 13 Grad. Und ein Ascona mit Sommerreifen. Wir brauchen Schwung, damit wir an der Steigung nicht hängen bleiben. Doch der Volvo vor uns hat es nicht eilig. Im Allrad liegt die Kraft. Mit Winterreifen erst recht. Evelyn lebt seit 20 Jahren im Schwarzwald und hatte noch nie Winterreifen.

Gute Breitreifen mit Grip. Mehr brauchst Du nicht. Grip und Schwung. Der Volvofahrer fährt rechts raus. Evelyn tritt das Pedal durch. Vollgas. Ein kurzes Gebet. Die Vorderräder drehen durch, beißen sich in den Untergrund und ziehen den Ascona unbeirrt den Berg hoch. Evelyn hält das Lenkrad mit beiden Händen fest und lacht laut auf. Im Drift durch die Kurven, immer weiter hoch. Mit der rechten Hand klammere ich mich an die Tür, als könne sie der Fliehkraft zum Opfer fallen. Zum Glück spannt mich der Gurt fest an den Sportsitz, sonst flöge ich gleich mit ihr. Auf der Bergkuppe angekommen, verlangsamen wir das Tempo. Erst jetzt füllt sich meine Lunge wieder mit Luft. Zufrieden schnurrt der Ascona durch den lockeren Schnee hinab ins nächste Tal.

Im Sommer darauf beschließt Evelyn, den Schmutz des letzten Winters von ihrem Ascona GT zu waschen. Aber nicht einfach nur durch die Waschanlage. Nein. So richtig. Mit Staubsauger, Politur und Microfasertuch. Sechs Stunden putzt und wienert sie, bis der weiße Lack in der Sonne glänzt. Sie wirft sich in den Fahrersitz, lässt den Motor an und setzt zurück, um ihren Ascona in seine Garage zu fahren. Das Heck rollt auf die Straße.

 

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Und plötzlich war alles aus

Bämm! Die Breitreifen kreischen auf. Der Ascona klebt vier Meter weiter an der Mauer, deren Ecke sich tief in die Fahrerseite gegraben hat. Ein angetrunkener Finanzbeamte, der mit 80 Sachen durch unsere Wohnstraße gebrettert ist, hat sie abgeschossen. Evelyn hebt ihren Kopf, ihre kräftigen Oberarme, die sie sich in diesem Auto ohne Servolenkung mühsam antrainiert hat, fest um das Lenkrad geschlossen. Tränen bahnen sich ihren Weg über das braungebrannte Gesicht. Später wird die Polizei ihr sagen, dass sie schuld sei, weil sie den fließenden Verkehr behindert habe. Seitdem wäscht Evelyn kein Auto mehr.

Gerne denke ich zurück an die irren Fahrten im Schwarzwald. Auf diesen Landstraßen habe ich das Fahren gelernt – lange vor meinem Führerschein. Natürlich von meiner Mutter. Natürlich mit einem Opel. Und natürlich mit Sommerreifen.

Eure Katze

Der Youngtimer an sich

ein Youngtimer ist laut Gesetz ein Kraftfahrzeug, das die 20 Jahre bereits überschritten hat, aber noch nicht die ehrwürdigen 30 Jahre eines Oldtimers auf dem Buckel hat. Umgangssprachlich bezeichnen wir auch gerne ein Fahrzeug mit einem Alter von beispielsweise 18 Jahren als Youngtimer, wenn es noch gut erhalten oder heute schon ein Klassiker ist. Die PKW, die von 1980 bis 1990 gebaut wurden, sind bei uns Youngtimer-Verrückten besonders beliebt, da sie überwiegend moderne Technik, einige wichtige Sicherheitsstandards und nicht selten eine mit Neuwagen vergleichbare Ausstattung bieten.

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Text: Margret Meincken
Illustration: Cliv

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Gründerin und Autorin von V8-Kultur. Begeistert von altem Blech und legendären Verbrennungsmotoren, lebt und arbeitet als freie Journalistin und Redakteurin in München, schreibt unter anderem für die Magazine Auto Bild Reisemobil und Auto Bild Klassik.
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