Mit dem 2er Coupé huldigt BMW dem legendären 2002 – der Sportcoupé-Ikone der 1960er Jahre. Ich darf mir die Hommage der Bayerischen Motorenwerke heute einmal genauer ansehen. Bei winterlichen 5 Grad und quer fliegendem Eisregen verlasse ich die warme Empfangshalle der Driving Academy in Fürstenfeldbruck und stapfe auf mein silbern-bräunlich schimmerndes Übungsfahrzeug zu.

Ich öffne die Tür des 2er Coupés und steige in eine Welt aus Kunststoff und dick lackiertem Wurzelholz. Mittig auf dem Armaturenbrett strahlt mich das große Display meines Driving Assistant mit den aktuellen Standortkoordinaten an. Steuern könnte ich den Driving Assistant über den iDrive Touch Controller, der in Höhe der Handbremse auf dem Mitteltunnel sitzt. Allerdings suche ich gerade das Zündschloss. Ich habe natürlich schon von Schlüsseln gehört, die man nicht zum Zünden benötigt, wirklich selber gemacht habe ich das noch nie. Geduldig erklärt mir meine Trainingspartnerin, dass man bei modernen Autos lediglich auf den „An/Aus“-Knopf drücken muss, um den Motor zu starten. Einmal drücken, ein leises Brummen, der Motor läuft. Verrückt.

Wenn zu viel High-Tech ablenkt

Da, wo sich beim 2002 genau vier Schalter und drei in Holz eingefasste Rundinstrumente befinden, überfordert mich beim 2er Coupé das Kombiinstrument mit einer Mischung aus blinkenden Piktogrammen und analogen Anzeigen, die ich vorerst sicherheitshalber ignoriere. Nachdem ich den Motor erfolgreich gestartet habe, starre ich ich auf den Multifunktions-Wählhebel. Ein LED-Display auf dem Knauf zeigt mir in grünen Lettern an, in welcher Fahrstufe bzw. in welchem Gang ich mich befinde. Die Wählhebelstellung bleibt dabei immer die gleiche. Ich tippe den Wählhebel lediglich an und lese an einer der digitalen Anzeigen ab, was ich gerade gemacht habe. Insgesamt benötige ich gefühlte 164 Sekunden, um den Motor zu starten, die Parksperre zu entriegeln und die richtige Fahrstufe einzulegen. Zum Vergleich: In 12 Sekunden schwinge ich mich in die komfortablen Teilledersitze des 2002, drücke die Kupplung durch, drehe den Schlüssel um und fahre los. Nach 164 Sekunden stehe ich bereits an der ersten roten Ampel und freue mich darüber, dass keine Start-Stop-Funktion an Bord ist.

Im Slalom korrigiert das 2er Coupé kleine Fahrfehler sofort mit einem seiner vielen elektronischen Helferlein. Das Popometer, das im 2002 noch zur Grundausstattung eines geübten Fahrers gehörte, wird ersetzt durch DSC (Dynamische Stabilitäts Control), DTC (Dynamische Traktions Control) und Launch Control. Ist es nun Fluch oder Segen, dass mein Auto denkt, ich sei zu blöd zum Fahren? Der 2er gleitet durch den Parcours wie auf Schienen, bricht beim Bremsen nicht aus und bleibt bei 30 km/h nach vier Metern stehen. Doch wie gerne würde ich jetzt den 2002 durch ebendiesen Parcours treiben, mit starker Krängung durch die Kurven segeln, leicht das Heck kommen lassen und unbeirrt nach vorne jagen.

Wenn Oldschool die linke Spur aufschreckt

Angetrieben wird das 1400 kg schwere 2er Coupé überwiegend von Vierzylindern, sowohl bei den Benzin- als auch bei den Dieselmotoren. Der 220d leistet 184 PS mit einem maximalen Drehmoment von 320 Nm. Der Vierzylinder im 2002 kommt dank Fallstromvergaser auf ganze 100 PS, der 2002 ti mit Flachstrom-Doppelvergaser auf 120 PS und der 2002 tii (Turismo Internazionale Iniezione) mit Kugelfischer-Benzineispritzung auf gnadenlose 130 PS. Ihr lächelt? Bei einem Leergewicht von 1035 kg ist das eine Kampfansage. Der 2002 ti galt mit seinen 200 km/h Höchstgeschwindigkeit Ende der 1960er als Schreck der linken Spur. Die FAZ sprach gar von einem übermotorisierten Kompaktauto, mit dessen Kraft der unerfahrene Lenker möglicherweise nicht zurechtkäme.

Der 2002 wurde gebaut, als Autos noch nicht im Windkanal entworfen wurden. Mit seinen markanten Linien und den steilen, großen Fenstern gleitet er majestätisch durch den Verkehr und streckt seine Haifischnase erhaben in den Fahrtwind. Dagegen wirkt der 2er, den BMW gerne als rebellisches und vor Kraft nur so strotzendes Coupé anpreist, wie ein aufgeblasener 1er mit einem seltsam waagerechten Bürzel.

Eine Hommage an eine Legende sieht anders aus.

Foto: BMW Group

Katze

Katze

Gründerin und Autorin von V8-Kultur. Begeistert von altem Blech und legendären Verbrennungsmotoren, lebt und arbeitet als freie Journalistin und Redakteurin in München, schreibt unter anderem für die Magazine Auto Bild Reisemobil und Auto Bild Klassik.
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