Sein Blick ist vom Vorübergehen der Stäbe
so müd geworden, dass er nichts mehr hält.

… schreibt Rilke über den Panther. In diesem Fall ist der Panther ist eine der letzten bayerischen Wildkatzen: Der BMW 7er E38 – einer der schönsten, vielleicht sogar der schönste 7er.

Seine zeitlos elegante Silhouette, seine lange (4984 mm) und schlanke Form wirken heute edler denn je. Zwischen all den wulstigen und plastikummantelten Fahrzeugen sticht die Münchner Oberklasselimousine vor allem durch ihr Understatement hervor. Gelassen, aber jederzeit sprungbereit. Warum es heute so wichtig ist, den Inhalt des Geldbeutels über die Optik des Fahrzeugs zu definieren, werde ich ergründen und beizeiten einen eigenen Artikel darüber schreiben. Und obwohl die heutigen Autos es nicht vermuten lassen: in den 90ern hatten Limousinen noch Stil.

In den Jahren von 1994 bis 2001 wurden insgesamt 327.560 Stück der dritten Generation der eleganten Oberklasselimousine gebaut. Unser Modell ist ein 728i, Baujahr 1996. Der Reihensechszylinder leistet 193 PS und entfaltet sein maximales Drehmoment von 280 NM bei 3950 U/min. Anfängliche Bedenken, die kleinste Motorisierung könnte für das stattliche Gewicht von knapp 1,9 Tonnen zu schwach sein, erwiesen sich als unbegründet. Der legendäre BMW-Motor ist äußerst durchzugsstark und schafft die 227 km/h Spitze mühelos.

Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte
ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte

Das sportliche Fahrwerk bereitet wortwörtlich Freude am Fahren. Der 7er klebt auf der Straße, die direkte Lenkung und die straffe Federung laden zum sportlichen Fahren ein. Und obwohl im E38 viele technische Rafinessen und Innovationen stecken (Stichwort: Integral-Hinterachse), sind die typischen Schwachstellen schnell an einer Hand aufgezählt: häufig bemängelt werden Lenkungsspiel und ausgeschlagene Achslager an der Hinterachse. Außerdem beansprucht das stattliche Gewicht des Luxusliners die Bremsen, doch bei einem Preis von ca. 420,00 EUR für Scheiben und Klötze (vorne) kann man als leidgeprüfter Audi V8-Fahrer ja nicht wirklich meckern (zum Vergleich: 940,00 EUR für die Bremsscheiben vorne).

 

Der Innenraum überzeugt mit weichem Leder und hochwertigen Wurzelholzverkleidungen. Im Fond kommt Lounge-Feeling auf. Das dem Fahrer leicht zugewandte Armaturenbrett ist glücklicherweise nicht mit überflüssigen Schaltern und Schiebern überfrachtet, sondern übersichtlich und sinnvoll gestaltet. Der Bordcomputer kann offensichtlich eine ganze Menge, was die meisten Fahrer von älteren E38 aber häufig gar nicht zu sehen bekommen. Das Zauberwort hier lautet „Pixelfehler“. Wem langweilig ist, der hat hier seinen Spaß, einzelne Pixel zu Zahlen und Wörtern zusammenzusetzen. Wem das zu blöd ist, der erhält im ausgezeichneten 7er-Forum kompetente Hilfe.

Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
und hinter tausend Stäben keine Welt.

Beim Kauf eines E38 ist – wie bei jedem anderem Youngtimer oder Klassiker auch – vor allem auf ein nachvollziehbares Checkheft, Rechnungen von Reparaturen und/oder Kundendiensten sowie die Anzahl der Vorbesitzer zu achten. Besonderer Schwachpunkt bei diesem Modell sind die Vorbesitzer: von Tiefer-Lauter-Breiter-Eimern und Fahrzeugen mit augesägter Heckschürze, damit die Duplex-Abgasanlage Platz hat, sollte man besser die Finger lassen. Die Preise für ein gepflegtes Exemplar ziehen an. Und da ich keinen Zweifel daran habe, dass speziell dieses Modell ein begehrenswerter Klassiker wird, empfehle ich: zuschlagen!

Eure (Wild-)Katze

Die perfekte Symbiose aus Lyrik und einem der schönsten Autos der Welt. Ein Versuch.

Katze

Katze

Gründerin und Chefredakteurin von V8-Kultur. Begeistert von altem Blech und legendären Verbrennungsmotoren, mit feinem Humor und leichter Melancholie. Lebt und arbeitet als freie Journalistin und Redakteurin in München und schreibt unter anderem für die Magazine Auto Bild Reisemobil und Auto Bild Klassik.
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