Was ist der Unterschied zwischen einem Small Block und einem Big Block? Auf den ersten Blick scheinen Hubraum und Leistung irrelevant. So gilt Chevrolets 400 Kubikinch-Motor (6,6 Liter) als Small Block, Chevrolets 348 cui-Maschine (5,7 Liter) hingegen als Big Block. Der 400 Kubikinch-Motor von Chrysler zählt zu den Big Blocks, während der beliebte 351-Kubikincher von Ford weder noch ist. Alles klar? Nein? Aber gleich – versprochen.

Edward Nicholas Cole (1909 – 1977) wollte Anwalt werden. Eigentlich. In seiner College-Zeit jobbte er bei einem Autoteile-Händler und studierte später am General Motors Institute. Schon während seines Studiums entdeckte GM sein Talent und beschäftigte ihn in der Konstruktion. Ed Cole wurde 1952 zum Chefingenieur befördert und entwickelte 1954 mit dem Small Block V8 einen der wichtigsten und meistgebauten Verbrennungsmotoren. Bis heute.

Chevrolets Small Block – eine V8-Legende

1954 entwickelte Ed Cole für Chevrolet den ersten serienmäßigen V8-Motor, der in Ausmaß, Gewicht und Preis so „klein“ wie möglich sein sollte. Ein Small Block eben. Die Hubraum-Palette des Small Blocks reichte von anfänglich 265 cui/Kubikzoll (4,3 Liter) bis hin zu 400 cui/Kubikzoll (6,6 Liter). 2005 feierte Chevrolet 50 Jahre Small Block, 2011 lief der 100 000 000ste Motor vom Band. Der Small Block der ersten Generation wurde bis heute also über 100 Millionen Mal produziert und gilt als einer der wichtigsten Verbrennungsmotoren aller Zeiten. Übrigens ein Grund, warum dieses Blog V8-Kultur heißt.

Leicht modifiziert war er sogar in deutschen Fahrzeugen zu finden: Im Opel Diplomat sowie in der Studie Opel CD und später im Bitter CD. In der Oldtimer-Szene wird er gerne nachgerüstet, so wie es Dieter Tiker mit seinem Chrysler Royal C34 gemacht hat.  Der Small Block von Chevrolet wird in Mexiko auch heute noch als Ersatzteil oder Zubehör hergestellt.

Bereits Ende der 1950er-Jahre wurden die PKW immer größer und die Kunden verlangten nach mehr Leistung. Die einzig logische Schlussfolgerung war die Entwicklung eines Big Blocks, eines Motorblocks, der sowohl in seinen Abmessungen, aber auch hinsichtlich Bohrung und Leistung größer ist. Dieser wurde ab 1958 für große Limousinen und potente Sportwagen, wie beispielsweise die Corvette oder den Impala Super Sport, und mittelschwere LKW sowie Schulbusse gebaut.

Wer also von einem Small Block oder Big Block spricht, spricht streng genommen immer von Chevrolet-Motoren. 

Selbstverständlich hat die Definition eines so berühmten Motors auf andere Hersteller abgefärbt. So lassen sich Motoren von Chrysler zum Beispiel grob auch in kleine oder große Blöcke unterteilen. Allerdings gab es allein bei Chrysler mindestens fünf verschiedene Block-Größen. Ford hatte so viele Varianten und Block-Größen im Angebot, dass eine Unterscheidung gar nicht mehr einwandfrei möglich war. Und das ist der wesentliche Punkt: eine so deutliche Abgrenzung zwischen einem Small Block und einem Big Block gab und gibt es nur bei Chevrolet. Es gibt also nur einen wahren Small Block.

Übersicht über die Baujahre und Hubräume

Aussagen, dass der Hubraum nichts mit der Unterscheidung der beiden Blöcke zu tun hätte, können verwirrend sein. Vergleicht man unterschiedliche Baujahre, so scheint der Hubraum tatsächlich kein Kriterium zu sein. Allerdings unterscheiden sich der Small Block und der Big Block von Chevrolet natürlich auch in Hubraum, Bohrung und Leistung – sofern ähnliche Zeiträume zum Vergleich herangezogen werden. Diese Übersicht soll ein wenig Licht ins Dunkel bringen (erhebt allerdings keinen Anspruch auf Vollständigkeit):

Sind amerikanische hp (horse power) gleich europäische PS?

Nein, zumindest früher nicht. Bis 1972 wurden „hp“ bei PKW auf dem Motorenprüfstand ohne Nebenaggregate wie Lichtmaschine, sämtliche Pumpen, Ventilatoren und Kompressoren vielmehr geschätzt als gemessen. Gemischaufbereitung und Zündung wurden den gewünschten Werten einfach angepasst. Diese nicht nachvollziehbare Methode ließ Herstellern und Werbefirmen viel Spielraum für Leistungsangaben: schwache Motoren wurden stärker angegeben, starke Motoren häufig auch schwächer.

Seit 1972 gelten strengere SAE-Richtlinien, die weitestgehend den europäischen DIN-Vorschriften entsprechen. Die Leistung muss jetzt mit betriebenen Nebenaggregaten gemessen werden. Die Zahlenwerte sanken deutlich, von „Brutto-PS“ auf „Netto-PS“. Seit 1972 gilt folgende Umrechnung:

1 SAE-PS (hp) = 1,014 DIN-PS

Was also ist der Unterschied zwischen Small Block und Big Block?

In erster Linie unterscheiden sich die beiden Blöcke tatsächlich in der Größe, also in den äußeren Abmessungen. Big Block-Motoren verfügen außerdem über größere Zylinderbohrungen, meist über 4,0 Zoll/inch. Darüber hinaus könnte man den Hubraum von 400 cui (ca. 6700 ccm) als „magische Grenze“ betrachten. V8-Motoren mit einem Hubraum von mehr als 400 cui werden meist als Big Blocks bezeichnet. Ausnahmen bestätigen die Regel, wie wir in der Tabelle erkennen können.

Vereinfacht: Ab einer Zylinderbohrung von mehr als 4,0 Zoll/inch und ab einem Hubraum von mehr als 400 cui (ca. 6.7 Liter) können wir also von einem Big Block sprechen.

Die letzten Jahre von Ed Cole

Als 1970 in den USA strengere Vorschriften für den Umweltschutz eingeführt wurden, wurde das Verdichtungsverhältnis der großvolumigen Motoren reduziert. Down-sizing war angesagt. Ed Cole leistete einen maßgeblichen Beitrag dazu, dass in den USA bereits ab 1975 Autos mit Katalysatoren und unverbleitem Benzin fuhren. 1977 verunglückte der GM-Vorstand mit seinem Sportflugzeug tödlich. Er ging in die Geschichte ein als großartiger Ingenieur, der mit dem Small Block V8 den wichtigsten Verbrennungsmotor aller Zeiten entwickelt hat. Zum Glück ist er kein Anwalt geworden.

Eure Katze


Text und Bilder: Margret Meincken
Titelbild: Chevrolet / GM

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Gründerin und Autorin von V8-Kultur. Begeistert von altem Blech und legendären Verbrennungsmotoren, lebt und arbeitet als freie Journalistin und Redakteurin in München, schreibt unter anderem für die Magazine Auto Bild Reisemobil und Auto Bild Klassik.
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