Manege frei im Zirkus „Geiger Cars“ in der Zamdorfer Straße in München. Heute präsentieren wir Ihnen wieder die spektakulärsten Artisten, die schnellsten und kräftigsten Tiere dieser Erde. Tauchen Sie ein in die Welt der Exoten – und kommen Sie aus dem Staunen nicht mehr heraus.

Chevrolet CamaroEin leichtes Raunen geht durchs Publikum, als das Licht ausgeht und der Vorhang beiseite gezogen wird. Ein Chevrolet Camaro mit rötlichem Fell schleicht in die Manege, leicht geduckt, als wollte er zum Sprung ansetzen. Der Camaro ist ein gedrungener, muskulöser Wolf aus dem Hause Chevrolet, ein Muscle Car, das seit 1966 – mit Unterbrechungen – gebaut wird. Bei den früheren Modellen erkennt man Parallelen zum Opel Manta – was nicht verwunderlich ist, da sowohl Chevrolet als auch Opel zur Konzernmutter General Motors gehören. Wir sehen hier ein Modell der 5. Generation, das in Oshawa, Kanada, gefertigt wird. Es ist tatächlich der erste Camaro mit Einzelradaufhängung und Scheibenbremsen an allen vier Rädern, was ihn agiler und gleichzeitig auch sicherer macht. Unser Camaro in der Manege basiert auf einem „concept model“, das auf der Detroit Motor Show im Jahr 2005 vorgestellt wurde und ist wahlweise mit einem V6 oder einem V8 mit bis zu 6.2 Litern Hubraum zu erwerben. Beim V8 Supercharged hat man mit 580 PS und 800 Newtonmetern Drehmoment vermutlich nicht gerade wenig Spaß auf der Straße – sozusagen der Wolf im Schafspelz. Der Camaro dreht ein paar Runden in der Manege und zeigt einige Kunststücke. Applaus – der erste Exot im Hause Geiger. Das Publikum ist begeistert.

Dodge ChargerAls der Camaro die Manege verlässt, wird das Publikum mucksmäuschenstill, die Spannung in der Luft ist regelrecht zu greifen. Hinter dem Vorhang brüllt ein mächtiger V8, Hufen scharren in den Sägespänen. Ein Dodge Charger im Dienstgewand stampft in die Manege. Ein Bulle, der so massiv auftritt, dass die Erde bebt. Wir sehen hier eine LX Limousine Facelift, die auf einer DaimlerChrysler-Plattform steht und in Nordamerika tatsächlich als Polizeifahrzeug eingesetzt wird. Der Charger ist wahlweise mit einem V6 oder einem V8 mit bis zu 6.4 Litern Hubraum erhältlich und bringt bis zu 477 PS auf die Straße. 1964 erblickte der erste Dodge Charger das Licht der Welt – neben dem Ford Mustang eines der ersten Muscle Cars. Bereits 1968 kam ein völlig neues Modell auf den Markt, da die Chef-Designer im Hause Dodge den Vorgänger für „altbacken“ hielten. In den Jahren 1968 bis 1970 erzielte Dodge die besten Verkaufszahlen – Erfolge, an die nicht mehr angeknüpft werden konnte. Der Charger senkt den Kopf und spannt die Nackenmuskulatur an. Sein Auftritt ist eine Ansage, die keine Widersprüche duldet. Die Vorstellung ist atemberaubend – und der Dompteur hat überlebt.

Ford MustangKaum hat der schwergewichtigte Charger die Manege verlassen, prescht ein Wildpferd in die Mitte, das kaum zu bändigen scheint. Es ist ein Ford Mustang V der zweiten Generation, der mehr denn je an seine Vorfahren erinnert. Der Mustang gilt als Urahne aller Muscle Cars und hat viele Nachahmer auf den Plan gerufen. Er kam als Nachfolger des Thunderbird und ist wohl eines der erfolgreichsten Modelle von Ford. Wer träumt nicht von einem Shelby GT aus den 60er-Jahren? Doch wir wollen nicht in der Vergangenheit schwelgen, während das Pferdchen im Hier und Jetzt munter seine Runden dreht. 660 PS reißen an seinen Hufen, der V8 mit den klassischen 5.8 Litern Hubraum klingt wie Musik in meinen Ohren. Verliebt betrachte ich das stämmige Wildpferd, wie es durch die Manege tobt, und nur selten tut, was der Dompteur möchte. Als der Mustang mit ungebremster Geschwindigkeit aus der Manege jagt, tobt das Publikum. Der Zirkusdirektor – ein älterer, eleganter Herr – erscheint und kündigt eine

Pause

an. Seid Ihr auch schon gespannt, wie es weitergeht?

Chevrolet Task ForceNachdem alle wieder sitzen, fällt der Spot auf den Artisteneingang. Alle warten. Ein dumpfes Grollen ist im Hintergrund zu vernehmen, das hin und wieder von einem beschwerlichen Husten unterbrochen wird. Langsam und gemessen schreitet ein alter Chevrolet Task Force aus dem Jahre 1959 in die Manege. Er wirkt wie ein Elefant, behäbig und alt, und doch gleichzeitig so ehrwürdig und schön anzusehen. Das Publikum kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus – hat es doch selten einen so gut erhaltenen Task Force gesehen. Unser Schwergewicht ist der Nachfolger des Chevrolet Advance Design und war der erste Personenkraftwagen, den Chevrolet mit einem Small Block-V8 austattete – übrigens damals noch ohne Ölfilter. Ein Filtereinsatz oberhalb des Thermostatgehäuses konnte optional erworben werden. Der V8 war kräftiger und gleichzeitig effizienter als der V6 und wog dabei 13,6 kg weniger. Ab 1956 war der Task Force mit einem Heckstoßfänger, Weißwandreifen, Chromverzierungen im Frontbereich und werkseitig eingebautem Radio erhältlich. Außerdem spendierte Chevy eine Servolenkung, einen Bremskraftverstärker und einen sogenannten Full Flow-Ölkreislauf mit Ölfilter. Und damit nicht genug – ab 1958 gab es auch einen Frontstoßfänger. Gemächlich schreitet der Task Force durch die Manege, dreht sich mal rechts, mal links herum und verlässt schließlich voller Stolz die Manege. Stehender Applaus, Tränen der Rührung.

Pontiac FirebirdUnd gerade als ich denke, dass diese Darbietung nicht zu übertreffen ist, spüre ich einen kalten Luftzug über meinem Kopf. Mir war, als hätte ich Augen gesehen, einen stechenden Blick wahrgenommen. Ein Pontiac Firebird mit schwarz-grünem Federkleid zischt durch die Luft, die Augen immer auf die Beute gerichtet, bereit zur Jagd. Dieser Firebird stammt aus der Zeit 1968/1969 und ist ein Modell der ersten Generation. Bereits der Verkaufsstart im Jahr 1967 war ein voller Erfolg – das Basismodell konnte damals für 2821 US-Doller erworben werden. Ebenfalls 1967 wurde der Firebird als Pace Car in der „Daytona International Speedway“ eingesetzt. 1969 folgte der berühmte Trans Am als Spitzenmodell. Der Firebird kam 5 Monate nach dem ersten Camaro auf den Markt und sollte gemeinsam mit dem Schwestermodell gegen den Ford Mustang antreten. Wir alle kennen den Feuervogel vor allem aus Filmen wie „Ein ausgekochtes Schlitzohr“, „Detektiv Rockford“ oder „Matrix Reloaded“, und natürlich als KITT aus „Knight Rider“. Dieser Pontiac war wahlweise mit einem V6 oder einem V8 mit bis zu 6.6 Litern Hubraum und 340 PS erhältlich. Ein schlanker, eleganter Greifvogel mit glänzendem Gefieder, so feinen Gliedern und doch von so zäher Kraft. Er wirbelt durch die Manege, landet zielgenau und verlässt schließlich mit kräftigen Flügelschlägen die Bühne. Ich bin gerade im Begriff hinterherzurennen, da hält mich mein Mann zurück. Noch können wir dem Feuervogel nicht die richtigen Lebensbedingungen bieten. Ich lehne mich enttäuscht zurück, während das Publikum geradezu entgeistert „Bravo“ und „Zugabe“ schreit.

Ja – noch nicht.

Katze

Katze

Gründerin und Chefredakteurin von V8-Kultur. Begeistert von altem Blech und legendären Verbrennungsmotoren, mit feinem Humor und leichter Melancholie. Lebt und arbeitet als freie Journalistin und Redakteurin in München und schreibt unter anderem für die Magazine Auto Bild Reisemobil und Auto Bild Klassik.
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