Dreimal ist Bremer Recht

Dreimal ist Bremer Recht

Für die einen hängt der Himmel voller Geigen, für die anderen voller Bremssättel. Doch während die Geigen unsere Ohren mit göttlichen Klängen verwöhnen, nagt der Bremssattel nicht nur mit teuflischen Geräuschen am Innenohr, sondern zehrt auch an den Nerven. Ihr fragt Euch, seit wann die Katze Probleme mit den Bremsen hat? War da nicht was mit der Elektrik? Nein, liebe Leser, es sind neue Zeiten angebrochen. Zeiten der V8-Lappalien. Himmlisch, oder? Aber der Reihe nach… Unser Neuzugang aus der Schweiz muss zur Vollabnahme, damit er in Deutschland zugelassen werden kann. Da wir das Auto in Bestzustand gekauft haben, mache ich mir keine Gedanken über ein Nicht-Bestehen der Prüfung. So verpasse ich dem Kleinen seine Kurzzeitkennzeichen, die ich nach einer Odyssee durch München endlich ergattern konnte, und cruise mit einem freudig blubbernden V8 zum Audi-Stützpunkt meines Vertrauens.

Dort angekommen warte ich über eine Stunde auf den den Herren vom TÜV – Alfred M. Ich sitze wie auf Kohlen, weil sich die Arbeit vor meinem geistigen Auge auf dem Schreibtisch stapelt und unzählige E-Mails von Kunden mein iPhone erzittern lassen als hätte es Parkinson, während Christian wie auf Kohlen sitzt, weil er fürchtet, der Kleine könnte womöglich nicht bestehen. Da erscheint Alfred M., leider vor dem Meister des Hauses, der den V8 vorher gerne noch einmal durchgesehen hätte. Alfred ist voller Tatendrang, schnappt sich das Auftragsblatt und die Schlüssel unseres Schätzchens, bittet mich freundlich, ihm zu folgen und lässt den importierten V8 an. Mit flauem Gefühl im Magen gleite ich auf den Beifahrersitz. Alfred kurvt hinter die Hallen des Autohauses zum Bremsenprüfstand und ernennt mich kurzerhand zu seiner Assistentin. Mein Aufgabengebiet umfasst das ordnungsgemäße Festhalten von Prüfprotokollen sowie das Öffnen der Haube. ;) Das kennt Ihr ja…

Bereits am Bremsenprüfstand ist klar: durchgefallen! Eine nicht funktionierende Handbremse ist ein klares KO-Kriterium. Der Bremssattel hinten rechts macht keinerlei Anstalten, seine Aufgabe wie vereinbart auszuführen. Doch anstatt mich gleich wieder nach Hause zu schicken, prüft der warmherzige Alfred auch den Rest des Fahrzeugs auf Herz und Nieren. Weitere Mängel wie eine nicht ansprechende Leuchtweitenregulierung, angelaufene Rückspiegel und ein nur hin und wieder arretierender Beckengurt lassen Alfred nur traurig mit dem Kopf schütteln. Bei einer Vollabnahme gemäß §29, meint er, muss einfach alles funktionieren.

Ab jetzt läuft der Countdown: Uns bleiben 4 Tage Zeit, die aufgelisteten Mängel zu beheben. Spiegelgläser sind schnell ausgewechselt, auch der Beckengurt funktioniert nun, einzig die Leuchtweitenregulierung sträubt sich, ihren Defekt zu offenbaren. Nach einigen Nervenzusammenbrüchen stellt sich heraus, dass es nicht ein Leck im Schlauch der Pneumatik ist, sondern die Mechanik im Scheinwerfer. Und so hat man dann abends auch nichts besseres zu tun, als die Stoßstange abzumontieren und den Scheinwerfer auszubauen, um an das kleine Gestänge zu gelangen. Wer einen Audi V8 hat, braucht um seine Freizeit nicht zu fürchten. Oder anders: Wer einen Audi V8 hat, hat überhaupt keine Freizeit. Zumindest nicht in den Anfängen… ;) Die Geschichte mit dem Bremssattel gehen wir etwas blauäugiger an und versuchen, ihn in eingebautem Zustand gängig zu machen. Und nach einigen Behandlungen mit Dieselöl und WD-40 scheint er tatsächlich zu funktionieren… oder?

Klappe, die Zweite

4 Tage nach dem ersten Anlauf geht es erneut zum TÜV – zu Alfred. Der will sich natürlich in erster Linie die Bremse ansehen. Also kurvt er wieder um das Autohaus herum und bleibt ein gefühlte Ewigkeit auf dem Bremsenprüfstand. Ich beruhige Christian, der kurz davor ist, sich vor Aufregung in die Parkplatzgewächse zu entleeren. Endlich kehrt Alfred zurück – leider mit dem falschen Gesichtsausdruck. Der sieht irgendwie so aus, als würde wieder etwas nicht stimmen. Und tatsächlich: die Handbremse bremst. Dauerhaft. Mit unseren Anstrengungen haben wir es gerade geschafft, dass die Bremse einmal greift. Finito. Weil wir so nicht fahren können, muss das Auto auf die Bühne, damit Christian den Bremssattel losklopfen kann.

Es hilft also nichts – der Bremssattel muss raus. Erfahrene Schrauber raten uns von dem Reparaturset für die Handbremse ab und empfehlen den Kauf eines neuen Bremssattels, dessen Preis allerdings gehörig abschreckt. Was kann so schwer daran sein, einen Bremssattel zu überholen? Nichts – eben. Deswegen bestellen wir besagtes Reparaturset und beginnen mit dem Ausbau des hinteren Bremssattels. Das ganze ist übrigens eine verdammt schmierige Angelegenheit. Die viele Jahre alte Bremsflüssigkeit hat nicht nur die Konsistenz von Ohrenschmalz… aber seht selbst:

Klappe, die Dritte

Mit neuen Kurzzeitkennzeichen, einem selbst überholten Bremssattel, einer selbst durchgeführten Entlüftung des Bremssystems und einem neuen Handbremsseil geht es zum dritten Mal zu Alfred. Diesmal muss Christian alleine fahren, weil ich eine dringende Übersetzung nicht weiter aufschieben kann. Ich erhalte im Fünf-Minuten-Takt SMS, die Texte enthalten wie: “Jetzt ist er auf dem Bremsenprüfstand”, “Jetzt kommt die AU” oder “Diesmal hat der Gesichtsausdruck von Alfred besser ausgesehen”. Und zwischen all den vielen Zeilen ist Christians Aufregung herauszulesen. Schließlich ist der Audi V8 für ihn etwas ganz Besonderes, etwas, das untrennbar mit unser beider Leben verknüpft ist und vor allem uns beide miteinander verbunden hat. In den Adern des kleinen Audi V8 scheint übrigens hanseatisches Blut zu fließen: Getreu dem Motto “Dreimal ist Bremer Recht” hat er es beim dritten Anlauf geschafft.

Habt Ihr ähnliche Erfahrungen mit Euren Fahrzeugen? Hat sich die Hauptuntersuchung bei Euch auch schon zu einem Running Gag entwickelt?

Ich freue mich auf Eure Kommentar,
Katze

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2 Kommentare

  1. Glückwunsch zur (wenn auch nicht ganz problemlosen) Vollabnahme!

    Unseren schwarzen V8 hatten wir 1996 teilgeschlachtet und verbastelt (hatte ursprünglich einen “Fast+Furious” Monsterheckflügel und riesen Tribal-Aufkleber drauf) als Teilespender angeboten bekommen.
    Er stand damals bereits seit 2-3 Jahren im Freien und machte einen ganz traurigen Eindruck als er völlig verdreckt und vermoost ohne Rückleuchten, mit den Befestigungslöchern für den ehemaligen Heckflügel im Kofferraumdeckel und abgeschnittenen Leitungen der ehemaligen Seitenblinker welche aus den Kotflügel schauten vom Anhänger rollte. Beim Verkäufer war er nicht mehr angesprungen.

    Eigentlich sollte er als Teilespender dienen und sein Getriebe sollte in einen 2. V8 welchen wir damals mit Getriebeschaden gekauft hatten Einzug halten.

    Nach einer ausgiebigen Wäsche und Bestandsaufnahme waren wir der Meinung daß dieser Wagen als Teilespender trotz der ungünstigen Vorgeschichte zu schade wäre.

    Wir bauten ihn mit Teilen aus unserem Lager wieder auf, fuhren ihn einige Tage mit Kurzzeitkennzeichen Probe und wagten die aufgrund der langen Zeit ohne Zulassung damals erforderlichen Vollabnahme.

    Dummerweise fiel kurz vor dem Termin das ABS aus und für die Reparatur blieb keine Zeit mehr.
    Mit gemischten Gefühlen, ausgebauter ABS-Kontrolleuchte und im Getriebe-Notlauf (weil durch das von uns durch ziehen der ABS-Sicherung abgeschaltete ABS fehlende Geschwindigkeitssignale für das Getriebesteuergerät zur Folge hat) ging es dann zur Vollabnahme.

    Zu unserem Glück ging der Prüfer mit einem Strahlen im Gesicht auf den Wagen zu und schwärmte sofort daß das damals sein Traumwagen war und er war gleich völlig begeistert vom mittlerweile wieder in schwarz glänzendem V8.

    Schwerfällig (da im 3.Gang wegen dem Notlauf) kämpfte sich der V8 auf die Bühne und bestand dann aber alle folgenden Überprüfungen ohne Beanstandung des Prüfers.

    Den V8 haben wir den Namen “blubber” gegeben, intern haben alle unsere Autos (sogar die mittlerweise etwa 150 Spenderfahrzeuge die wir in den letzten 8 Jahren hatten) einen Namen, so langsam muß man aufpassen daß man keinen Namen doppelt vergibt.

    Der “Blubber” hat uns seitdem treu und fast ohne Reparaturen begleitet, der nächste Tüv-Termin wurde ebenfalls ohne erkennbare Mängel gemeistert.

    Leider steht er seit dem wir im Ausland leben hauptsächlich und wird nur ab und zu mit Kurzzeitkennzeichen oder Händlerkennzeichen bewegt (die Umschreibung auf österreichische Papiere würde leider 2-3 Mal so viel kosten wie ein top-erhaltenes Exemplar in der Anschaffung).

    Viele Grüße aus Tirol,

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  2. Ja ja – der Dicke und seine Tücken…
    Mein seit nun wenigstens 6 Jahren ordentlich gewartetes 5.-Hand Bollermännchen hat sich am Anfang auch so einiges an VAG-Ersatzteilchen auf seinen Wunschzettel für den Herren der 4Ringe gebollert.
    Mit meinem TÜV-neuen Spielzeug, welches ich für total fehlerfrei hielt, begab ich mich einstmals zum Schmied.
    Dann war das gefürchtete “Hm” zu hören.
    Ergebnis: Schubstreben, Achsträger, Bremsschläuche, very very special treatment der hinteren Sättel, Zahnriemen-& Getriebe-Komplettprogramm, Schiebedachinstandsetzung (wenn da ein funktionierendes Feuerzeug in Reichweite gewrsen wäre…), alle Dichtungen im Ansaugbereich und zum Schluß ne schicke HP2.
    Dafür ist er ob solcher intensiver Zuwendung bisher immer lieb zu mir gewesen und treibt dieses seelige Grinsen in das Gesicht seines Herrchens.
    Ach ja – jetzt stehen 2 neue Kopfdichtungen an, da es an den neuralgischen Stellen – trotz des bei hohen Temperaturen unverschämt dickflüssigem Öl es – immer untrockner wird (ist natürlich erst Nach dem Zahnriemenwechsel aufgetreten). Ups, da hätte ich fast die Lenkmanschetten vergessen – wenn die Köpfe unten sind kommt man da wenigstens besser hin ;-) .

    Deshalb: herzlichen Glückwunsch zum TÜV-Segen & zum wirklich gelungenem Leidensbericht.

    Peter

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