Auszug aus der Enzyklopädie für aussterbende Arten

Der Audi V8 quattro, in der Jägersprache auch Dicker oder Bolide genannt, ist eine in Europa und Nordamerika beheimatete Art der allradangetriebenen Fahrzeuge. Zusammen mit der S-Klasse von Mercedes-Benz und dem 7er BMW bildet er die Gattung der Oberklasselimousinen.

Merkmale

Ein Audi V8 wird zwischen 4,87 und 5,19 Meter lang, ist, gemessen an der Dachkante, im Schnitt 1,42 Meter hoch und wiegt 1710 bis 1900 Kilogramm. Er verfügt über einen kräftigen, jedoch latent schlaksigen Körperbau. Der schlanke Rumpf trägt einen zur Schnauze hin massiven und schweren Kopf. Der Audi V8 hat verhältnismäßig kurze, aber kräftige Beine mit relativ kleinen Hufen. Im Gegensatz zur S-Klasse von Mercedes-Benz ist der Audi V8 äußerst drehfreudig und durchaus sportlich zu fahren. Beide Geschlechter verfügen über unverschämt viel Hubraum, der den Sprit in Massen verbrennt, was ihnen den Beinamen „Schluckspecht“ eingebracht hat.

Im Sommer glänzt das Fell des Audi V8 meist in unterschiedlichen Farben, auf der Unterseite ist er grau bis schwarz, an den Seiten hin und wieder schlammig gelb. Die Hinterseite der Schenkel ist schwarz. Von den Ohren verläuft über die Augen hin eine schwarze Längsbinde. Im Winter ist der Audi V8 meist dunkelgrau oder braun verkrustet, sowohl an den Seiten als auch am Bauch. Beide Kleider gehen unmerklich ineinander über.

Lebensraum

Der Audi V8 bewohnt den gesamten nordeuropäischen Raum und Teile des Balkans und der Alpenregionen. Auch in den Mittelmeerstaaten kommen vereinzelt Audi V8 vor. Das größte Revier Europas befindet sich im süddeutschen Raum und verteilt sich auf die beiden Ballungszentren München und Stuttgart. Nach Auswilderungen existieren zudem wieder kleine Populationen in den neuen Bundesländern, im Ruhrpott sowie im norddeutschen Flachland. Der Lebensraum Gebirge ist ein Rückzugsraum, doch die frühere Verbreitung des Audi V8 in Mittelgebirgen konnte durch archäologische Funde belegt werden.

Lebensweise

Kleine Audi V8 (3.6er) und Jungfahrzeuge leben oft in Herden von 2 bis zu 4 Fahrzeugen. Die soziale Bande ändert sich mit den Jahreszeiten. Im Sommer ist sie sehr intensiv; ein Fahrzeug der Herde ist zu dieser Zeit stets als fahrbereit abgestellt und dient als Ersatz für jene, die aus vielen verschiedenen Gründen nicht anspringen. Zum Winter hin wird der Herdenzusammenhalt lockerer und manche Herden vermischen sich oder lösen sich auf. Das Rudel wird – im Idealfall – von einem erfahrenen Fahrer angeführt.

Große Audi V8 (4.2er) leben einzelgängerisch und suchen oft nur ein- bis zweimal im Jahr eine Herde auf. Sie vertreiben die Jungtiere und behaupten sich in Kämpfen gegen die kleineren Geschlechtsgenossen. Ihre Nahrung besteht aus reinem Benzin (Super oder SuperPlus, niemals E10) sowie Öl, WD-40, Schmierfett und Polierpaste. Im Winter auch aus einer großen Portion Wachs.

Feinde

Der Audi V8 quattro ist, in ländlichen Gebieten, durch herabrollende Steine und Felsstücke, in städtischen Gebieten durch neidische Nachbarn und minderbemittelte Golf GTI-Fahrer gefährdet sowie durch dösende LKW-Fahrer, in strengen Wintern auch durch Futtermangel und schlechte Pflege. Raubtiere wie Porsche Carrera S, BMWs der neuesten Generation und die großen Audi-Modelle stellen ihnen nach.

Menschen und der Audi V8 quattro

Jagd

Die Jagd mit dem Audi V8 findet aufgrund seiner Lebensweise meist auf den deutschen Autobahnen statt. Da ein Audi V8 enge Gassen und steile Spitzkehren scheut, ist die Jagd mit ihm oft mühsam und gefährlich. Der tatsächliche durchreparierte Bestand ist sehr gering, da durch die widrigen Umweltbedingungen, insbesondere im alpinen Winter oder aufgrund schlechter Haltung, viele seiner Art nicht überleben.

Auch können Seuchen wie hoher Ölverlust, defekte Zylinderkopfdichtungen, poröse Zahnriemen, siffende Getriebe und andere parasitäre oder infektiöse Erkrankungen für hohe Todesraten mitverantwortlich sein. Doch selbst in proletarischen Regionen kann heute wieder eine nennenswerte Bestandsabschöpfung verzeichnet werden.

Alltagsnutzung

Der Klang des Achtzylinders ist angenehm tief und hat eine unaufdringliche Lautstärke; das Leder ist außerordentlich gut verarbeitet und ergibt mit der hochwertigen Innenausstattung ein einheitliches Bild. Da sich der Audi V8 aufgrund seiner schlechten Verwindungssteifigkeit und seines schlaksigen Körperbaus weder als Rennwagen noch als Eckenflitzer eignet, sollte er ausschließlich seiner Bestimmung entsprechend genutzt werden: als luxuriöse Oberklasselimousine, deren Komfort seiner Zeit voraus war.

Audi V8, die in der Stadt gehalten werden, benötigen regelmäßigen Auslauf auf langen, barrierefreien Strecken. Während des Auslaufs müssen ausreichend Pausen eingelegt werden, damit der Audi V8 seine Muskeln entspannen kann. Am besten eignen sich leicht kurvige Straßen im Gebirge – der natürliche Lebensraum eines Audi V8 quattro.

Eure Katze

Einmal V8, immer V8

Als Christian im Sommer 2010 seinen Audi V8 wegen eines Getriebeschadens verkaufte, wusste ich, dass früher oder später wieder einer folgen würde. Kein Audi 100 konnte seinen Ansprüchen genügen, keine andere Oberklasselimousine hätte dem von uns so geliebten Boliden das Wasser reichen können.
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Das Rezept gegen die Traurigkeit

Büroarbeit erledige ich meistens mit meinem Kater. Puschkin, mein sechs Jahre alter Britisch Kurzhaar wartet das Faxgerät, kopiert Dokumente und ordnet Unterlagen. In seiner Freizeit spielt er gerne mit angenagten Kabelbindern, durchgebissenen Haarsieben oder seinem kleinen Audi Coupé. Nur nicht so wild. Denn Puschkin ist herzkrank. Sein Herz schlägt nicht so kräftig, wie es sollte. Auch wird es nicht so lange schlagen, wie das seiner Artgenossen. Und manchmal ist er melancholisch. Ihm fällt die Decke auf den Kopf. Dann kann ihn nicht einmal das Coupé begeistern. Auch nicht mit offener Motorhaube. Dann muss etwas größeres her. Zum Beispiel der Audi V8.
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Rettet die Vielfalt!

„Yo, yo, yo - das ist ja mal ein echter Klassiker!“ ruft ein junger Mann, während er - in kurzen Hosen und T-Shirt - auf seinem Fahrrad um die Zapfsäule kurvt, an der mein Audi V8 steht. Ich fülle gerade 30 Liter Super Plus in den Tank. „Den sieht man ja kaum noch auf der Straße. Gute Fahrt!“ Winkend radelt er davon. Mein Ausflugsziel ist das Oldtimer-Treffen in Jesenwang, das jedes Jahr am 3. Oktober auf dem Flugplatz stattfindet. Trotz triefender Nase, dickem Kopf und erhöhter Temperatur freue ich mich auf das Treffen, bei dem sich Klassiker aller Marken und Baujahre auf dem Acker tummeln. Ich freue mich, weil es kein Treffen ist, auf dem die vermeintliche Oldtimer-Hautevolee gerne unter sich bleibt. So war es zumindest letztes Jahr. Dieses Jahr soll es anders kommen.
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Text und Bilder: Margret Meincken

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Gründerin und Chefredakteurin von V8-Kultur. Begeistert von altem Blech und legendären Verbrennungsmotoren, mit feinem Humor und leichter Melancholie. Lebt und arbeitet als freie Journalistin und Redakteurin in München und schreibt unter anderem für die Magazine Auto Bild Reisemobil und Auto Bild Klassik.
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